Darüber hinaus stehen hinter den drei Natura 2000 – Arten verschiedene Lebensräume mit einem hohen patrimonialem Wert, welche wiederhergestellt oder geschützt werden sollen. Die nachstehenden Lebensraumtypen von gemeinschaftlichem Interesse sind Lebensräume bzw. Teilhabitate der drei Schmetterlingsarten:

6230 – Artenreiche Borstgrasrasen (Prioritärer Lebensraum)
6410 – Pfeifengraswiesen auf kalkhaltigen, torfigen und lehmigen Böden
6430 – Feuchte Hochstaudenfluren der planaren bis alpinen Stufe
6510 – Artenreiche Mähwiesen des Flach- und Hügellandes
6520 – Artenreiche Bergmähwiesen

Basis für ein Projekt LIFE+

Untersuchungen über die Ökologie, die Verbreitungsareale in der Wallonie, der Populationsrückgang und die entsprechenden Erhaltungsmaßnahmen für den Skabiosen-Scheckenfalter (Euphydryas aurinia), den Blauschillernder Feuerfalter (Lycaena helle) und den Große Feuerfalter (Lycaena dispar) sind bereits vorhanden. Diese Untersuchungen sind durch die Abteilung Studie des Natur- und Agrarbereichs (DEMNA) in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Lycaena zusammengetragen worden.

Einige Erhaltungsmaßnahmen sind bereits durch die Obrigkeit (DEMNA und DNF (Abteilung Natur und Forstwesen) und von Naturschutzverbände durchgeführt worden. Hierunter fallen z.B. Maßnahmen für die Erhaltung des Skabiosen-Scheckenfalters (Eyphydryas aurinia), durch die Verbreiterung von lokalen Waldschneisen in Famenne und Fagne (zw. Sambre und Maas). Darüber hinaus hat die Art durch Schaffung neuere Naturschutzgebiete oder die Wiederherstellung seiner Lebensräume im Rahmen des LIFE Projekts „Camps militaires“ (Truppenübungsplätze) insbesondere auf dem Truppenübungsgelände von March-en-Famenne profitieren können. Ebenso konnten für den Blauschillernden Feuerfalter (Lycaena helle) und den Großen Feuerfalter (Lyceana dispar) Naturschutzgebiete eingerichtet und Pflegemaßnahmen, in besonders wichtigen Gebieten der Regionen Ardennen und der Lorraine, durchgeführt werden. Die drei betroffenen Arten profitierten zum einen indirekt durch vergangene LIFE+ Projekte („Haute-Semois“, „Plateau de Saint-Hubert“) und zum anderen direkt durch die Wiederherstellung eines Biotops für den Großen Feuerfalter (Lycaena dispar) durch die DNF in einem Tal der Region Gaume (La Vire à Latour).

Dennoch sind diese ersten Schutzversuche lange nicht ausreichend um einen geeigneten Lebensraumverbund mit angepasster Pflege für die langfristige Sicherung der Populationen zu garantieren. Aus diesem Grunde wurde ein Projekt speziell für die Umsetzung von Schutzmaßnahmen und die Wiederherstellung der Lebensräume in Bezug auf die drei Schmetterlingsarten vorbereitet.
Die räumliche Verteilung des LIFE+ Projekts „Schmetterlinge“ umfasst fünf Zonen von
Natura 2000 Gebieten, welche großflächig im Südosten des Landes verteilt sind. Folgende Regionen sind in das Projekt einbezogen:

1.Die Wälder und Feuchtwiesen der Fagne: 5 Gebiete von Mariembourg bis Beauraing (für E. aurinia)
2.Die Wälder der Famenne: 3 Gebiete von Marche bis Barvaux (für E. aurinia)
3.Das Ardenner Becken der Lesse : 3 Gebiete von Daverdisse bis Libin (für L. helle)
4.Die Täler der Hoch - Ardennen / Ostbelgien: 9 Gebiete von Malmedy bis St. Vith (für L. helle und E. aurinia)
5.Das Becken der Semois und der Attert : 5 Gebiete von Jamoigne bis Attert (für E. aurinia, L. helle, L. dispar).


Die Gefährdung

Nachfolgend werden im Allgemeinen die gefährdenden Faktoren für die Schmetterlingspopulationen in den Projektzonen aufgezählt:

Die schwachen Individuenzahlen der beständigen Populationen;

Defizitäre Habitatsqualität infolge unangepasster Bewirtchaftungs- und Pflegemaßnahmen;

Isolation der bestehenden Populationen und Fragmentierung der Lebensräume verhindert den Austausch zwischen den unterschiedlichen Populationskernen ;

Die direkte Gefährdung durch menschliches Handeln: Fichtenpflanzungen, zunehmende Versiegelung und Zerschneidung der Landschaft, Intensivierung der Landwirtschaft.


Ziele des Projekts

Die Ziele des Projekts können wie folgt umschrieben werden: Angestrebt wird die langfristige Sicherung und Bewahrung der bestehenden Populationskerne, die Vermehrung geeigneter und verfügbarer Lebensräume durch Wiederherstellung der entsprechenden Lebensraumelemente und durch eine Verbesserung des Biotopverbunds zur Förderung der genetischen Vielfalt.


Um diese Ziele erfüllen zu können, sind folgende Hauptmaßnahmen zu bewältigen:

Sicherung der Vorrangsgebiete durch Anwendung angepasster Schutzstatuten;

Wiederherstellung der Lebensräume (Verbreiterung der Forstschneisen, Entfernen von Fichten auf feuchten Böden, Bodenentfernung auf einigen cm um die Diasporenbank anzuregen, Entbuschungsmaßnahmen);

Wiederholende Pflegemaßnahmen festlegen, Auszuführen durch Partnerschaften, die auf die lokale Situation abgestimmt sind (Unterhaltung der Waldschneisen und Waldlichtungen, angepasste Mahd, extensive Beweidung);

Herstellung und Entwicklung eines Verbundes zwischen den Lebensräumen der Schmetterlinge sowohl durch Wiederherstellungsmaßnahmen des Lebensraums als auch durch die Sensibilisierung verschiedenster Akteure in Verwaltung und Landwirtschaft wie Förster, Jäger, Landwirte, …;

Das Interesse der lokalen Öffentlichkeit für die Artenvielfalt der Schmetterlinge wecken (Aktionsplanung wie Wanderungen, Schulführungen, Informationstafeln, etc.);

Entwicklung eines Monitorings um die Wirksamkeit der angewendeten Maßnahmen zu kontrollieren und ggf. zu optimieren.


Erwartetet Resultate

Wiederherstellung eines Lebensraumverbundes für die drei Schmetterlingsarten auf einer Fläche von ca. 560 Hektar einschließlich:

der Entwicklung von 150 ha offener und vernetzter Lebensräume in Waldgebieten (Waldschneisen und Waldlichtungen);
der Entfernung von 150 ha standortfremder Gehölze wie Fichten (Picea abies) und Pappeln (Populus spec.);
der Nachbearbeitung der abgeerntet Waldflächen durch Zerkleinerung, Entfernung der Reisigmatten, Schließung von Drainagen, Aufbringen einer Heusaat oder Einsaat (290 ha)
der Pflege von Feuchtwiesen durch Entbuschung, Schließen von Drainagen, Mulchen und Aushagerungsmahd (160 ha)

Etablierung einer langfristigen und fachgerechten Pflege bzw. Bewirtschaftung insbesondere durch:

Sicherung von Flächen mit einem hohem biologischem Potential durch Grunderwerb (150 ha)
Entwicklung von sich wiederholenden und nachhaltigen Pflegemaßnahmen durch Mahd oder Beweidung, verbunden mit Materialanschaffung und Schaffung spezifischer Infrastrukturen
Organisation von Weiterbildungen und Austauschaktionen der beteiligten Akteure
Entwicklung des Monotorings
Einrichtung von Pflegeplänen


Sensibilisierung der lokalen Öffentlichkeit und diverse Verwaltungen für die Problematik durch:
einen Internetauftritt
eine Präsentationsbroschüre
Errichtung von Informationstafeln


Partner:

Ein solches Projekt ist natürlich nur durch die Zusammenarbeit vieler verschiedner Akteure aus Naturschutzvereinigungen, Verwaltung (DEMNA, DNF) und Gemeinden zu verwirklichen. Diese werden so viel wie möglich in die Aktionen und Vorhaben im Zuge des Projektes miteinbezogen!


Die Projektgebiete
Das Projekt umfasst 25 Natura 2000 – Gebiete:

Die Wälder und Feuchtwiesen der Fagne (7.473 ha)
- BE35028 Bassin fagnard de l’Eau Blanche en aval de Mariembourg
- BE35029 Bassin fagnard de l’Hermeton
- BE35019 Vallée de la Meuse en amont d’Hastière
- BE35034 Vallée des Ruisseaux de Rempeine et de la Scheloupe
- BE35035 Vallée de l’Ilèwe

Die Wälder der Famenne (2.754 ha)
- BE34068 Bois de Famenne à Humain et Aye
- BE35014 Bois de Famenne à Waillet
- BE34004 Massifs forestiers famenniens entre Barvaux et Hotton

Das Ardenner Becken der Lesse (4.870 ha)
- BE35042 Vallée de l’Almache en amont de Gembes
- BE34036 Haute Lesse
- BE34026 Massif forestier de Daverdisse

Die Täler der Hoch - Ardennen / Ostbelgien (2.142 ha)
- BE33046 Warchetal stromaufwärts von Bütgenbach (Gemeinde Büllingen)
- BE33047 Holzwarchetal (Gemeinde Bülligen)
- BE33053 Rechterbach/Noir Ru (Gemeinde St. Vith, Stavelot, Trois-Pont, Malmedy)
- BE33057 Kolvenderbachtal (Gemeinde Amel, Büllingen)
- BE33058 Medenderbachtal (Gemeinde Büllingen)
- BE33059 Ourquelle und Ensebach (Gemeinde Büllingen)
- BE33061 Zuläufe der Our zwischen Setz und Schönberg (Gemeinde Amel, St.Vith)
- BE33063 Braunlauftal und Zuläufe ( Gemeinde St. Vith und Burg- Reuland)
- BE33064 Ulftal (Gemeinde Burgreuland)

Das Becken der Semois und der Attert : (7.621 ha)
- BE34050 Bassin de la Semois entre Tintigny et Jamoigne
- BE34055 Vallée du Ruisseau de Breuvanne
- BE34056 Bassin de la Semois de Etalle à Tintigny
- BE34057 Marais de la Haute Semois et Bois de Heinsch
- BE34053 Bassin de l’Attert


Kurzinfo und Zahlen Projekt LIFE+ „Schmetterlinge“


Treuhänder: Natagora asbl

Partner: SPW/DGRANE/DEMNA (ex CRNFB) + DNF

Anvisierte Arten: 3 Schmetterlinge (Euphydryas aurinia, Lycaena helle, Lycaena dispar) des Anhangs II der FFH-Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG (vom 21.05.1992)

Auswahl weiterer begünstigter Lebensräume und Arten:
Lebensraumtypen von gemeinschaftlichem Interesse wie : Kalktrockenrasen 6210*, Artenreiche Borstgrasrasen 6230 (Prioritärer Lebensraum), Pfeifengraswiesen auf kalkhaltigen, torfigen und lehmigen Böden 6410, Feuchte Hochstaudenfluren 6430, Artenreiche Mähwiesen des Flach- und Hügellandes 6510, Artenreiche Bergmähwiesen 6520
Eine Vielzahl von Fledermäusen der FFH-Richtlinie (Nahrungshabitat) und Vögel der Vogelschutzrichtlinie (Nahrungs- und Repruduktionshabitat).
Eine Vielzahl geschützter Pflanzen-, Insekten-, Vogelarten und Säugetiere

Projektdauer: 5 Jahre (2009-2013)

Involvierte Regionen: in Fagne, Famenne, Ardennen , Haute-Ardenne/Ostbelgien und Lorraine.

Grunderwerb: 160 ha

Renaturiert Flächen: ca. 560 ha (Öffentlicher und privater Besitz)

Eingestelltes Personal: 9 Personen (1 Projektleiter, 4 Projektassistenten, 4 Arbeiter) während 5 Jahre

Budget: 7.120.000 €

Homepage des Projektes:
www.life-papillons.eu
Infos auf Deutsch


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